Sonntag, 27. Oktober 2013

Macht Glauben selig?


Nach einer längeren Religionsdebatte gestern mal wieder Blut am Thema geleckt. Hier eine interessante aktuelle Diskussionsrunde aus dem SWR im Fahrwasser des Skandals um Tebartz van Elst, die sich aber um existenzielle Fragen des Glaubens, der Kirche und der Religion dreht. Philipp Möller, der Pressesprecher der GBS, den man aus vergangenen Talkrunden eher als hitzköpfig in Erinnerung hat, tritt viel ruhiger auf als man ihn aus früheren Runden gewohnt ist. Nicht zu seinem Nachteil. Seine Argumente werden deutlicher und handfester. Sehr empfehlenswert für alle, die sich für die Thematik interessieren.


http://www.youtube.com/watch?v=Wau3jhvFdWM

Dienstag, 15. Oktober 2013

Frankfurter Buchmesse 2013

Die Reise zu meiner dritten Buchmesse begann am frühen Samstag Morgen. Mit Kaffee und Croissant im Magen ging es mit Doppeldeckerbus über verregnete Autobahnen in Richtung Frankfurt. Die Buchmesse ist schon lange nicht mehr nur eine Insel für Literatur. Zeitungen, Zeitschriften, Comics, Karten, E-Books, Fernsehsender und Internetplattformen mischen sich längst unter die Neuerscheinungen des obligatorischen Buchhandels. Vom religiösen Kleinstverlag bis zum kommerziellen Platzhirsch waren alle Zwischenformen vertreten. Auftritte von mehr und weniger berühmten Autoren und Illustratoren mit eingeschlossen. Gastland war Brasilien, das mit einer künstlerisch abstrakt träumerischen Szenerie aufwartete. Sofern man schnell war oder genug Ausdauer hatte konnte man in Hängematten Gedichten lauschen und mit dem Fahrrad digital Südamerika erkunden. Mein persönliches Highlight war der Auftritt Jonathan Strouds, dem Schöpfer des unvergleichlichen Bartimäus, der um halb zwölf sein neues Geisterjägerwerk vorstellte und dabei einen Jungen aus dem Publikum mit dem entsprechenden Equipment ausstattete. Am Stand der Satirezeitschrift Titanic konnte man alte Exemplare zum Ramschpreis von 50 Cent pro Stück erwerben und die Gänge für überteuertes Manga-Merchandise (15 Euro für ein nachgemachtes Deathnote erschienen mir dann doch eion wenig übertrieben) waren wie immer brechend überfüllt. Da war man zwischendurch schon froh, dass es auch abseits der trockenen Hallenluft Programm im Innenhof des Messegeländes gab. Eine große Open-Stage mit laufendem Programm, ein Lesungs- und ein Signierzelt bei Kaffee und Cookies zu Messepreisen (Schwarz 2,50 Euro). Doch wie jedes Jahr hat es sich am Ende doch gelohnt, allein schon wegen dem signierten Lockwood-Exemplars von einem meiner meist geschätzten britischen Schreibern neben Terry Pratchett.




















LeO

Freitag, 11. Oktober 2013

Sven Pörsch präsentiert Vol.II



Danke nochmal an den unvergleichlichen Sven Pörsch, den Mitarbeitern des Lighthouse Herne und den Künstlern für den wunderbaren Abend und die Gelegenheit abermals auf der Bühne zu stehen. Die Texte, die ich vorgetragen habe, sind nun alle hier veröffentlicht ;)

Sturm


Donnergrollen über grauem Himmel.

Der Winde heulender Lauf

zerrt an Ähren, zerrt an Bäumen.


Der Sturm, er kommt

gleich einem wilden Tier

voller Zorn und Wut

er reißt an mir


Kein Entkommen vor dem Sturm,

Wälder zittern, kluge Geister fliehen.

doch da ist noch was:

Elementare Kraft, ungezähmt gediehen.


Der Blick verschlossen, das Unvermeidliche angenommen,

gebe mich in seine Hände,

empfange Wind und Böe,

Ein alter Freund, vor dem ich stände.



Forttragen soll er mich, da ist noch was:

Elementares Herz, beherrschte Kraft,

ruhige, kühle Gelassenheit,

Mein Zuhause, wo ich wandre

im Auge des Sturms

eine Ewigkeit.


Eine wahre Geschichte aus der Bronzezeit

Einst gabs den Bergmann aus dem großen Tal.

Er sehnte sich nach nem besseren Leben,

eigentlich hatte er keine Wahl,

denn Schulden hats gegeben.

Der Alkohol letzte Nacht war zuviel.

Er verlor Spiel um Spiel.


Drum standen die Eintreiber dort, wo er haust.

Wer da sei, fragte der Bergmann verdrossen.

Schon flog die erste Faust.

Als er Sterne sah wars dann beschlossen.

Euer Gold, hier hab ich es nicht.

Doch ich bring euch in Golderz euer Gewicht.


Draußen war es kalt, der Wind zog rein.

Die Schläger dachten viel und schwer

in ihren kleinen Hirnen fein

die Gier war voll, das Haus war leer.

In ihrer Beschränktheit fiel die Wahl im Sturm.

Zeig uns das Versteck, du Wurm!


Der Bergmann schluckte tief,

hatte ein paar Stunden gewonnen.

Das Gold findet ihr im Stollen, in den ich einmal lief.

Ich habe diese Geschichte nicht ersonnen.

Reichtümer schlafen dort im Stein.

Edelmetall, ein Schatz glitzernd und fein.


Die Treue gehört dem, der bezahlt mehr,

das war dem Bergmann wohl bewusst.

Die List wirkte auch mit Händen leer.

Der kleine Erfolg tilgte seinen Frust.

Er würde noch leben, eine Nacht oder zwei.

Dass er mit den Söldnern ins Gebirgen musst war fürs erste einerlei.


Zehn gierige Söldner gingen ins Gebirge ein.

Eine Schlägerhorde auf der Suche nach dem Gold.

Der Wald war düster und gruslig im finstern Schein,

voll mit Wölfen und Bären er sein sollt.

Einer glaubte den Gerüchten nicht,

er kam an einen Bau zu dicht,

da warens nur noch neun!


Neun gierige Söldner wanderten im finstern Bergeswald.

Die Hänge waren instabil.

Der Gesang am Lagerfeuer schallt.

Zur Seite an den Klippen fehlt nicht viel.

Einer setzt zum trunknen Solo an,

tanzte an die Klippen ran,

da warn es nur noch acht!


Acht gierige Söldner erklettern einen großen Berg.

Einem wars zu viel, wär er doch zuhause geblieben.

Er fühlte sich wie ein Zwerg

da warn es nur noch sieben.

Einer vertrug die Höhe nicht.

Sein Herz stand still am Gipfel dicht,

da warn es nur noch sechs!


Sechs gierige Söldner erreichten ein Alpendorf.

Auf dem Weg dorthin sah einer das Licht und grunzte: Hmpf!

Doch der Pfad führte durch ein Moor aus Torf.

Das Licht war falsch, da warn es nur noch fünf.

Voller Wut wollten die Söldner das Dorf überfallen.

Die Bauern zückten Bronzewaffen und ließen Kriegsgeschrei erschallen.

Da warens nur noch vier!


Vier gierige Söldner wollten fischen gehen.

Sie hatten satt ihren Hirsenbrei.

Einer sah auf der Lichtung einen Bären stehen.

Da warens nur noch drei.

Ein anderer wollte zu viel wagen.

Er verlief sich beim Hirsche jagen.

Da warens nur noch zwei.


Zwei gierige Söldner kamen in den Stollen.

Der Bergmann warnte keinen.

Schließlich hörte einer Steine rollen.

Dann gab es nur noch einen.

Dieser suchte nach dem Gold tief im Felsgestein.

Sein Begleiter stieß ihn in den Erzgang rein.

Da war der Bergmann endlich frei!



 Inspiration

Wenn ich in einem Garten wär,

geformt mit Herz und Verstand,

volle Baumkronen über einem Rasenmeer,

meiner Seele Gewand.


Ich wandere durch den Garten.

habe ihn erschaffen und genossen.

Raben in den Bäumen harrten.

Insektengebrumm aus der Stille gesprossen.


Sich gehen lassen in diesem Garten,

Keine Störung zuzulassen,

Sorgen und Fragen entladen,

zwischen Kirschblüten und Wasserstimmen zu fassen.


Der Wind wirbelt durch die Kronen.

Blätter wie Flocken im Winter aufstoben.

Sehe den Schnee der Berge im Norden.

In den Wolken sind Gesichter verwoben.


Im Wasser zwischen Fröschen und Rosen

ein Spiegel liegt verborgen,

der Wahrheit zeigt ohne zu posen.

Stille Stürme entfachend, jenseits aller Sorgen.


Hinter den Obstbäumen weit

liegt der Steingarten, ein Meer aus Sand.

Der Wind heult sanft über Kiesel in Ewigkeit,

ihre gefrorenen Zeugen am Zeitenstrand.


Das Schicksal im laufenden Rad,

bestimmt durch werdendes Vergehen.

Steins, Baums und Vogels Pfad,

eine Uhr, die es gilt zu verstehen.


Wie tickt sie die Welt?

Wenn der Wind durch Wellen spült?

Wenn das Feuer sich im Leben brennend hält?

fragt der Wanderer, der den Atem der Erde fühlt.


In meinem Garten bin ich sicher und frei,

habe einem Platz zum Denken gefunden.

Abends Grillenmusik, in der Dämmerung Rabengeschrei.

Im Garten der Kunst zählt man keine Stunden.


Ein Refugium gebaut im Innern.

Eine brennende Sonne, die alles überdauert.

Ihr Licht wird auch im Dunkeln schimmern.

Komme nur, was im Schatten lauert.

Dienstag, 8. Oktober 2013

Unter Archäologen - Is des Kupfer?

Diejenigen, die sich gewundert haben, warum dieser Blog im September temporär brach lag, können versichert sein, dass ich nicht ins Exil gegangen bin und auch nicht vor Geldeintreibern in den Untergrund geflohen bin. Nunja, Exil trifft es wohl noch am Ehesten. In der österreichischen Bergwelt scheinen Kommunikationsmittel im Gegensatz zu Kühen und Serpentinen rar gesät. Das Wlan war zwar vorhanden, aber nicht das Beste. Aber schließlich fährt man nicht wegen des Internets in die Berge, oder?
Warum ich dort war? Es ist nicht unbedingt eine dieser Selbstfindungsgeschichten, in denen der Protagonist ins Exil geht, um sich seinen Dämonen zu stellen oder vor ihnen davon zu laufen. Auch Freizeit hatte ich relativ wenig, um nicht zu sagen kaum. Ausgrabungen fordern Vollzeitengagement. Die Quintessenz aus 4 Wochen Schaufeln, Eimer tragen, Planum kratzen, Funde waschen und Profile putzen erscheint als die dringende Notwendigkeit mehr Sport zu treiben.
Doch neben der Arbeit gab es natürlich auch andere Dinge, die einen unvergleichlichen Eindruck hinterließen: Die Greifvogelschau auf Hohenwerfen, Hallstatt, ein überwältigender Sternenhimmel, Wetterschauspiele, Bergpanorama, österreichische Spezialitäten von Zirbengeist bis zu Käsespätzlen (Kasnocken) und Kaiserschmarrn, archaische Naturlandschaften und alte wie moderne Bergwerke mit ihren Schimmelkulturen, die nahe an der Entwicklung von eigenem Bewusstsein waren. Nicht zu vergessen natürlich, dass die Nordalpen gefühlt die einzige Region auf Erden sind, in der man das Wetter aller 4 Jahreszeiten in ein oder zwei Wochen "genießen" darf.
Es war für einen recht unsportlichen Charakter wie mich eine sehr anstrengende, aber schöne Zeit. Ich durfte viel über archäologische Praxis, grobes und feines Werkzeug und die Bergbaukultur erfahren. Aus rechtlichen Gründen können natürlich keine Fotos von den Ausgrabungsstätten im Arthurstollen und auf dem Troiboden selbst gezeigt werden, ich bitte also um Verständnis. Es sei nur gesagt, dass es sich bei der Region Mitterberg um den größten Kupferproduzenten der Bronzezeit handelte, die Region mit und durch den Bergbau über Jahrtausende geformt wurde.