Mittwoch, 26. Februar 2014

Entstehungsmythos von Avarios II

Auszug aus dem Kompendium über die Geschichte der Welt – 1. Band: Die Entstehung der Welt. Zusammengetragen und verfasst von Bran dem Reisenden, Erster des Rates der blauen Akademie in der Winterzeit des Jahres 2007.


[…] Welt und Welt fiel vor dem Sternenthron und ihre einstigen Herrscher wurden in Gefängnisse des Prim verband, den nie konnte man einen Eldar töten. So erschuf der Prim karge Felsen am Rand des Weltenalls, an die er seine stärksten und widerspenstigsten Gegner kettete. Gezwungen ewig im Nichts zu treiben, waren sie keine Gefahr mehr. Die Furcht vor diesem Schicksal band seine acht Untergebenen noch stärker an den Sternenthron. Ein Eldar mit dem Namen Avaru beobachtete das Werk der Neun mit Kummer und Schwere. So fasste er einen Plan, um seine und die verbliebenen, freien Welten der Eldar vor der Zerstörung zu bewahren.
Zur Zeit als die Armeen des Prim vor den Toren Avarus standen, war der Stolz des Ersten zur Tollkühnheit geschwollen und der Ehrgeiz zu brennendem Eifer verkommen. Galvan deutete den Rückzug des Eldar als Schwäche und beschloss diesen umso mehr zu demütigen, indem er körperliche Gestalt annahm und ihn im Fleisch des Sterblichen bezwang. Er befahl den Acht, die ihm folgten, dasselbe zu tun, denn das ganze Weltenall und alle Eldar sollten die Überlegenheit des Sternenthrons anerkennen. Mit den Heeren der Soldaten, die die Neun erschaffen hatten, betraten sie, was vor ihnen lag. Irlande, die einen Sinn für alles Schöne hatte, zeigte sich erstaunt von der Raffinesse, die dieser Schöpfung inne wohnte. Wälder, deren Blätter im Wind rauschten. Vögel, die in verschiedenen Stimmen sangen. Tiere und Waldkreaturen, die sie aus dem Schatten heraus beobachteten. Kobolde in den Bäumen und Trolle in ihren Höhlen. Wasser, das in Kaskaden vom Himmel fiel und donnernde Lichter am Himmel. Ihr Herz wurde schwer, als sie daran dachte, dass auch diese Welt der Gier des Prim zum Opfer fallen sollte. Die anderen Eldar dachten ähnlich, auch wenn die Furcht sie daran hinderte aufzubegehren. Sie durchstreiften Wälder und Wüsten, Berge und Täler, doch sie fanden weder eine Verteidigung noch den Eldar selbst vor. Schließlich erreichten sie das Zentrum der Schöpfung des Avaru. In ihrer Mitte fanden die Neun einen Turm, dessen Oberfläche silbergrau glänzte und dessen Spitze in donnernden Wolken verschwand. In seiner Ungeduld verlangte Galvan, Avaru möge aus seinem Versteck hervorkriechen. Nur Feiglinge würden sich weigern, wenn das Schicksal sie richte. Doch weder von dem Turm noch aus der Umgebung kam eine Antwort. Die Stimme des Prim verhallte in der Stille dieser Welt. Galvan fühlte sich verspottet und kochte vor Wut. Dieser Eldar würde für seine Anmaßung doppelt bezahlen, schwor der Prim sich und ließ den Turm umstellen. Auch als das Licht schwand, war noch keine Spur von Avaru zu erkennen und der Prim verlor die Geduld.
Wenn du nicht kommst, fange ich an zu zerstören, was du geschaffen hast“, sagte er.
Mit einem finsteren Grinsen legte er die Hand auf die glatte graue Oberfläche des Turms, um einen mächtigen Zauber zu sprechen. Doch sein Gesicht verzog sich zunächst in Überraschung, dann in Schmerz und schließlich in Angst. Die Eldar und ihre Schöpfungen spürten wie der Boden unter ihren Füßen zu vibrieren begann und eine Stimme im Wind zu sprechen begann: „Wir sind die Elemente Anikon, Salyada, Aegidon und Inalya. Avaru hat sich geopfert, um uns Kraft zu geben. Wir sind die Elemente. Erde, Feuer, Wasser, Wind. Avaru hat uns einen Ort geschaffen um zu leben. Wir beschützen diesen gegen jenen.“

Mit einem letzten Schrei des Schmerzes verschwand der Prim und ward nicht mehr gesehen. Verbannt in ein Gefängnis unter der Erde im Zentrum der Elemente. Die Eldar zeigten sich erleichtert. Einer der Ihren hatte sie von den Ketten befreit, die sie nicht in der Lage waren abzuschütteln. Sie nannten den Turm des Avaru Weltensäule und bestimmten, dass die ehemaligen Heere des Prim von nun an diese Welt bevölkern sollten. Mit dem Fall des Galvan hatten sie keinen Zweck und keine Pflicht mehr zu erfüllen.[...]

Ein Schritt in eine neue (alte) Welt?


So ihr Lieben, mit dem Uni-Kram bin ich bald durch und nun zum lange angekündigten Projekt, das sich über die Jahre stark verändert hat und durch dutzende Genres gewandert ist. Im Kern dieselbe Story geblieben ist. Der Ursprungsidee liegt eine Diskussion mit Freunden zugrunde. Wer diesen Blog regelmäßig verfolgt, kennt meine kritische, teilweise harsche Position gegenüber Religionen, Weltanschauungen und Ideologien. An die Umstände erinnere ich mich nicht mehr genau, nur dass auf mein eigenes Argument, man könne ja auch an Feen und Einhörner glauben, die Antwort "Dann gründe doch deine eigene Religion" folgte, was ich zumindest im übertragenen Sinne zu tun gedenke, indem ich verschiedene Charaktere auf ihrem Weg die Welt in der sie leben zu verändern, begleite. 
Mittlerweile betrachte ich diese Thematik mit kühlerem Kopf und stelle mir die Frage wie Religion/Ideologie (Ich bezweifle, dass es dort abseits von inhaltlichen Differenzen einen ernst zunehmenden Unterschied gibt) auf Menschen wirkt, wie es sie aufbauen und zerstören kann. Was passiert mit einem träumerischen, glaubenden, zweifelnden Charakter, der plötzlich an Macht gelangt? Lässt sich Glaube wirklich nutzen, um die Welt zu verbessern oder handelt es sich dabei nur um einen weiteren Trigger menschlicher Arroganz? Ein Werkzeug, das einem Stärke gibt und andererseits alle Hemmungen und Zweifel erstickt. Der Titel dieses Blogs ist dem griechischen Seher Tiresias (Im Original Teiresias) gewidmet, einem Wahrsager wie es in der griechischen Mythologie viele gegeben hat. Doch dieser Seher ist durch den Zorn eines Gottes - Es gibt da mehrere Versionen - geblendet worden. Seine Weissagungen waren nie falsch, auch wenn er sie den Helden nur widerwillig preisgab. In dieser Rolle tritt er in die Geschichten von auch heute noch berühmten Charakteren wie Ödipus, Antigone und Odysseus auf. Wie bei vielen griechischen Geschichten ist hierbei nicht der Inhalt - der je nach Überlieferung und Ort auch stark variierte -, sondern die symbolische Tiefe der Figur interessant.
Das Sehen trotz Blindheit begegnet uns immer wieder in Kunst, Politik und Religion. Sei es die Justitia mit ihrer Waagschale, die blind gegenüber allen anderen Einflüssen außer der Gerechtigkeit sein soll, oder Illidan Stormrage aus dem Warcraft-Universum, dem Dämonenjäger und Verräter, der sich von Sargeras die Augen ausbrennen ließ um verbesserte Sicht als "Geschenk" zu erhalten ("Krieg der Ahnen" - Trilogie, Richard A. Knaak). Sei es das Gleichnis "Wenn aber ein Blinder einen anderen führt, so fallen sie beide in die Grube" (Mt. 15,14) oder Neo, der im dritten Teil der Matrix-Trilogie geblendet wird und in gewisser Weise trotzdem sieht, oder Odin, der eines seiner Augen dem Riesen Mimir verpfändet, um aus der Quelle der Weisheit trinken zu dürfen. Allein schon die Variation der künstlerischen Adaptionen des Gegensatzes Blind-Sehend zeigt wie viele Arten und Auffassungen von Blindheit es gibt. Alle Menschen sind blind, wenn es um die Ereignisse vor ihrer Geburt oder nach ihrem Tod geht. Von der Vergangenheit können wir durch Sprache, Relikte und Menschen erfahren, doch für die Zukunft bleiben wir ein Leben lang ohne Wissen und jeden der behauptet es zu sehen, kann man ohne Gewissensbisse als Lügner bezeichnen, was ich auch des Öfteren getan habe. Das betrifft Religion, Politik und Ideologie gleichermaßen, und zwar egal welcher Natur sie auch sein mögen. Ob ich nun von einem Utopia oder der Apokalypse ausgehe ändert nichts daran, dass niemand wissen kann, ob dieses Ereignis eintritt. Letztlich sind und bleiben alle Propheten blind, egal mit welchem Göttern sie angeblich in ihren Träumen kommunizieren. Mich würde z.B. interessieren, was Jesus - Nach der Auffassung einiger ist er ja schon mal von den Toten zurückgekehrt. Warum also nicht nochmal? - zur Kirche wie sie heute ist und in der Vergangenheit nach seinem Tod war, sagen würde. Ist es das, was er gewollt hätte, was er gemeint hatte? Ich bezweifle das und bin der festen Überzeugung, er hätte sich dem Atheismus oder Agnostizismus zugewendet und/oder sich in einer linken Partei engagiert, um die Welt aktiv zu verändern.
Es sind diese Fragen die mich interessieren und die das Fundament für mein kommendes Projekt bilden werden. Letztendlich habe ich mich für ein Fantasy-Setting entschieden, was zugegeben ein ziemlich ausgelutschtes Genre ist. Doch ich hoffe ich kann dem Zusammentreffen von Elfen und Menschen noch etwas neues abgewinnen. Was ich an Tolkiens Elben nie leiden konnte, war deren Darstellung als weise, reine Überwesen, alles das, was Tolkien gerne in den Menschen gesehen hätte  (Man beachte den Entstehungskontext zum 1. und 2. Weltkrieg). Tolkiens Welt bleibt eine dualistische Märchenwelt, in der die Guten schön und ehrenhaft sind und die Bösen hässlich und hinterlistig. Komplexität wie sie etwa in George R. R. Martin's "Game of Thrones" Gang und Gebe ist, kommt nicht vor. Deswegen werde ich auch auf Orks, die eine tolkiensche Erfindung sind und im Gegensatz zu den anderen Völkern keinen Bezug zu nordischen Mythologie haben, komplett verzichten. Ich möchte meine Elfen ambivalenter gestalten. Es sind stolze und noble Wesen, doch daraus kann man viel entwickeln: Hochachtung vor Schönheit und Natur, blühende Kultur, Verachtung gegenüber dem Andersartigen und Verblendung gegenüber der Wirklichkeit. Was wäre in einer solchen Gesellschaft eine grausamere Strafe, als das Augenlicht zu verlieren? Man könnte die Schönheit der Welt und der elfischen Kultur nie mehr in ihrer Pracht bewundern. Deswegen soll die Blendung ("Ishar Isztil") in dieser Gesellschaft die höchste Strafe für die schlimmsten Verbrechen darstellen.
Doch wer definiert die schlimmsten Verbrechen? Sind die Bestraften wirklich nur niederträchtige Verräter? Oder kann Stolz an sich harmlose Verbrechen nicht in ein anderes Licht rücken? So ist die oben gezeichnete Ashara Golanian als einer meiner ersten Charaktere entstanden ...

@LeO

Montag, 24. Februar 2014

Entstehungsmythos von Avarios ;)

Auszug aus dem Kompendium über die Geschichte der Welt – 1. Band: Die Entstehung der Welt. Zusammengetragen und verfasst von Bran dem Reisenden, Erster des Rates der blauen Akademie in der Winterzeit des Jahres 2007.


[…] So scheint es, dass mir die Aufgabe zufiel, Erkenntnisse über die Entstehung unserer Welt zusammenzutragen. Also ging ich in die freien Städte, in die Bibliotheken von Volk und Adel, zu den alten Müttern auf den Straßen und Wegen von Liasadril bis Karanthos, um zu finden, was ich suchte und zusammenzusetzen, was verloren gegangen ist. Ich habe vielen Versionen dieser Geschichte gelauscht. Von Elfen, Menschen und Zwergen. Doch die Geschichte einer alten Seherin aus dem Orden der Natha'krir, deren Festungen wie schwarze Wächter über den Wäldern des Kon in den Himmel stoßen, erschien mir am kompaktesten und vollständigsten. Zumal, dass die Ritter gegen die Dämonen dieser Lande sich in ihrer Natur dazu berufen fühlen, alles als ursprünglich zu bewahren, was in ihren Bibliotheken schlummert. Ich traf das alte Mütterchen im Sommer des Jahres 1994 als sie schon steinalt war und frage mich, ob sie unsere Zeit auch noch überleben wird. Wie die Elfen sagen: Wir steigen auf mit Golganas und sinken mit Irlande. Hier schreibe ich die Geschichte nieder wie sie mir erzählt wurde.
Das Wort berichtet von einer Zeit vor der Zeit, als es nichts gab als den Ozean der Sterne. In ihm lebten die Eldar. Machtvolle Wesen, die in der Lage waren die rohen Energien des Weltenalls an ihren Willen zu binden, Stein und Leben aus der Vorstellung zu erschaffen. Doch waren sie keine Magier, denn ihre Kräfte kannten keine Grenzen. Aus dem Nichts des Ozeans erschufen sie Dinge und ließen sie wieder vergehen. Sie erschufen Leben und zerstörten es. Untereinander stritten sie wie Kinder wegen Kleinigkeiten, schlimmer als die Ritter und Könige der heutigen Zeit. Sie erschufen Imperien und vernichteten sie, wenn ihnen die Lust an ihnen vergangen war. Ihre Herzen waren rastlos und ohne Mäßigung, denn in ihnen pulsierte ein hungerndes Feuer, das nach mehr verlangte und verhinderte, dass ihr Verstand im Weltenall eingebunden abkühlte.
Der Mächtigste unter ihnen wurde Galvan genannt, den sie heute noch den Prim und den Ersten nennen. Von seinem Thron von geschmiedetem Sternenlicht aus unterwarf er seine Brüder und Schwestern und zerstörte ihre Schöpfungen bis sie sich seiner Herrschaft beugten. Skoltan, der Patron der Handwerker und Schmiede. Tyra, Ordanon und ihre Tochter Sefarim, denen die Menschen Respekt zollen. Bafandur, dem die Gerechtigkeit als einzigem Eldar am Herzen lag und Maladath, der List und Täuschung als Zeichen der Stärke achtete. Bis zum Schluss widersetzten sich die Liebenden Golganas und Irlande der Tyrannei. Doch auch das Feuer der Sonne und Gelassenheit des Mondes konnten dem Prim nicht standhalten. Auf dem Gipfel seiner Macht befahl er seinen Brüder und Schwestern ihm Armeen zu erschaffen mit denen er das gesamte Weltenall erobern konnte. Sie gehorchten.
Aus dem Metall seiner Welten formte Skoltan die Zwerge und machte sie hart wie den Stein des Grundes und begierig wie die Gezeiten des Ozeans. Tyra und Ordanon besprachen sich im Geheimen und vermählten ihre Tochter Sefarim dem Maladath zur Frau. Sie gebar ihm die ersten Menschen ausgestattet mit der Tapferkeit Ordanons, der Kreativität Tyras, der Treue Sefarims und der Listigkeit von Maladath. Weil Bafandur Maladaths Absichten misstraute und fürchtete dieser würde die Gruppe verraten und sie alle vor dem Prim in Gefahr bringen, pflanzte er den Menschen außerdem noch die Saat der Gerechtigkeit ein. Golganas und Irlande schwammen zu den Sternen um deren Licht zu ernten und zu Elfen zu formen. Stolze Wesen mit der Kühle des Mondes und der Hitze der Sonne, denen niemand in Wissen und Geschick überlegen sein sollte.

Zufrieden mit ihrem Tribut lehnte sich Galvan zurück und teilte seinen Brüdern und Schwestern Reiche zu, in denen sie freie Hand haben sollten. Unter dem Thron aus geschmiedetem Sternenlicht sammelte der Prim mehr und mehr seiner eigenen Kreaturen, den brutalen und herzlosen Valken. urtümliche Wesen, die von ihrem Schöpfer nicht geliebt wurden und deshalb auch andere nicht lieben konnten. Ihre echsenhaften Nachkommen terrorisierten die Ländereien des Westens bis der erste Pakt von Elfen und Menschen den Wall errichtete. Ihnen zur Seite formte er die Drachen, die über die Valken herrschen sollten, damit der Erste seine Eroberung des Weltenalls vorbereiten konnte.[...]

Sonntag, 23. Februar 2014

Ein Interview mit einer blinden Elfe ...

Auszug aus: Der geflügelte Löwe – Ausgabe 13, 6. Woche der Sommerzeit des Jahres 2577 neuer Zeitrechnung


Gestern hatte unser berühmter Kolumnist und Buchstabenmagier Ned Westermann die einmalige Gelegenheit die Erste aus dem Flügel der Kampfmagier. Ashara Golanian. Respektvoll versorgte sie uns mit Antworten und voller Ehrfurcht stellten wir unsere Fragen. Gebannt lauschten wir der Elfin, die man aus der Heimat verbannte und die von den Toren unserer freien Stadt aufgenommen wurde! Blicken sie mit uns hinter die Kulissen der blauen Zitadelle, deren Tore ansonsten für den normalen Bürger von Karanthos geschlossen bleiben. Ein ganz und gar nicht blindes Gespräch.

Ned Westermann: Für unsere Leser sind sie eine der interessantesten Persönlichkeiten, Ashara.

Ashara Golanian(lachend): Weil ich eine schwarze Augenbinde trage oder weil ab und zu in der Arena kämpfe?

N.W.: Sie verbindet eine bewegende Geschichte mit unserer wunderschönen Stadt. Zudem sind sie eine der wenigen Magier unserer Akademie, die sich hinter ihren mit blauem Marmor verkleideten Mauern hervorwagen. Hat sie Kanzler Philledias nicht persönlich empfangen, als sie Hilfe am meisten brauchten?

A. G.: Er hat mich und meinen Bruder Varyn nach unserer langen Reise von der Wache zum Golf von Bresan am Tor von Karanthos empfangen. Mit der Garde der Stadtwache, ihren Blechhelmen und Hellebarden. Wir hätten auch nach Sonnenfall gehen können, aber uns war das Meer lieber.

N.W.: Es heißt die Elfen von Sonnenfall sind schlimmere Krämer als die Zwerge.

A. G..: Ich merke sie haben wenig von der Welt gesehen. Valonir Rell, momentaner Vorsitzender des Rates von Sonnenfall ist ein guter und treuer Freund der Familie. Sein Urgroßvater Valarion wurde vor 300 Jahren mit der Schwester meines Vorfahren Galvanu Lirame vermählt. Das band das Haus der Rells und die Westelfen an das Reich der Nordelfen. Ich als letzte Golanian neben meinem Bruder Varyn und meine Schwester Inastasza werden dort immer willkommen sein.

N.W.: Trotzdem sollte man dort nie Seide kaufen, hat mir mein Onkel der Kaufmann einmal erzählt. Glauben sie nicht, er würde sie nach ihrer Verbannung nicht festsetzen und an Alasztan Fanyen ausliefern?

A. G. (lacht): Die Rells haben für Fanyen genauso wenig übrig wie die Golanian. Fanyen mag ein altehrwürdiger Name sein. Doch ihre Hochkönige waren machtgierige Intriganten und Feiglinge. Sie töteten ihre Feinde mit Gift anstatt sie im Feld zu stellen. Sie haben nie eine Dynastie aufbauen und halten können. Alasztan macht da keinen Unterschied.

N.W.: Es heißt Ishar Isztil ist die höchste Strafe der Götter …

A. G..: Ishar Isztil heißt Blendung oder Diebstahl des Augenlichts auf Elfisch. Die Geblendeten Ishari sind in unserer Gesellschaft Ausgestoßene, nicht einmal Bedienstete dürfen sie berühren. Sie müssen wissen, jeder Makel an der Gestalt des eigenen Körpers gilt als Strafe der Götter. Deswegen trainieren unserer Krieger hart. Sie töten ohne getroffen zu werden, weil jede Narbe auf der Haut ein Schandmal darstellt. Mein Volk verehrt die Schönheit der Natur und unserer Kultur. Wir sind sehr stolze Wesen. Wenn man einem Elfen die Augen ausbrennt deformiert man seinen Körper und nimmt ihm die Möglichkeit die Schönheit seiner Umgebung wahrzunehmen und zu genießen. Es ist eine grausame Strafe und den schlimmsten Verbrechern vorbehalten.

N.W.: Ist es zu persönlich zu fragen, warum sie zu diesem schrecklichen Schicksal verurteilt wurden?

A. G.(Schweigt lange): Ja, es tut mir Leid. Ich habe vor langer Zeit eine falsche Entscheidung getroffen und wurde dementsprechend bestraft.

N.W.: Dann wechseln wir das Thema! Es heißt ihre Schwester ist ins Exil gegangen, als sie verurteilt wurden und ihr Bruder ist bei ihnen geblieben?

A. G..: Inastasza ist eine begabte Magierin und konnte die Wege unseres Volkes nie verstehen. Strafen wie Ishar Isztil und die Arroganz unserer Gelehrten widerten sie an. Sie kehrte der Stadt Liasadril lange vor uns den Rücken. Ich habe sie ewig nicht gesehen, aber ein Kaufmann, den wir auf unserer Flucht trafen, erzählte mir, dass sie sich wohl eine Festung im Glarbrand-Gebirge errichtete. Allein. Mit ihrem Talent hätte sie es weit bringen können, doch sie zog die Einsamkeit dem Ruhm vor. Mein Bruder Varyn dient in der Stadtwache von Karanthos und bildet Rekruten aus. Wie ich hörte mit Erfolg.

N.W.: Das ist ja nicht allzu weit entfernt! Jetzt lassen sie uns über die blaue Zitadelle reden. Wie kam es dazu, dass sie als Geblendete in die Gilde der Kampfmagier fanden?

A. G.: Ich stellte relativ schnell fest, dass ich nicht vollkommen meiner Sinne beraubt war. Trotz der Schmerzen, die das verbrannte Fleisch mit sich brachte, konnte ich die Welt dennoch wahrnehmen. Ich glaube, dass ich die Energie, die alle Gegenstände und Lebewesen umgibt und die Magier zu manipulieren lernen, sehen konnte und mir das erst bewusst wurde, nachdem ich meine Augen verloren hatte. Ich hatte nie das Talent von Inastasza oder die körperliche Kraft meines Bruders, aber dieser zwielichtige Schleier aus blauer Energie, der sich durch die Schwärze meiner Welt zieht wie Adern durch die Haut, ermöglicht mir Gegenstände und Personen zu spüren. 
Diese Affinität bewahrte mich vor dem Leben eines Krüppels. Ich war meinem Bruder zwar in Stärke unterlegen, dafür jedoch deutlich schneller. Karanthos und Kanzler Philledias hatten bald nach der Begrüßungszeremonie das Interesse an uns verloren und wir waren auf uns allein gestellt. Wir versuchten uns als Gladiatoren, weil niemand zwei Elfen in einer normalen Berufung eingestellt hätte, und eines Tages sahen wir uns einer Überzahl an Trollen und Kobolden gegenüber, die die Wildhüter wohl unter beträchtlichem Aufwand eingefangen hatten. Mein Bruder wurde recht schnell an die Wand gedrängt und musste aufgeben. Ein paar Helfer unseres Sponsoren zogen ihn die Zuschauertribüne herauf. Doch ich blieb im Sand der Arena stehen mit der Aufmerksamkeit aller Waldkreaturen auf mich gerichtet. Ich parierte Schlag und Schlag, wich aus, nahm Hände und Finger und schlitzte Bäuche auf bis der Sand zu meinen Fußen mit Blut getränkt war und ich schwitzend und triumphierend zu der Kanzlertribüne aufsah, wo die Gesichter der reichen Eliten in blauen Gittern schimmerten. Seitdem trage ich den Namen Krähe, weil ich mit den Füßen im Blut stand ohne das mich eine Kreatur berührt hatte. Als wäre ich dort hingekommen, um zu fressen. Als wäre der wahre Champion irgendwo unter den Körpern und den Strömen aus Blut begraben. Zumindest erzählte man mir diese Geschichte später.

N.W.: Und wie kam es dazu, dass man sie schließlich in die blaue Zitadelle aufnahm?

A. G.: Eines Tages klopfte ein Botenjunge, der kaum älter als 15 Menschenjahre sein konnte, an unsere Tür. Man verlange nach der Krähe in der blauen Zitadelle. Ich war gerade dabei Varyns Wunden zu verbinden. Das Angebot kam überraschend, unter den Zuschauern mussten wohl ein paar hochrangige Magier gewesen sein. Vielleicht der gesamte Rat. Varyn nickte nur und sah dann aus dem Fenster. Ich bat den Jungen, nochmal zu wiederholen, was er gerade gesagt hatte. Doch die Worte hatten sich nicht verändert und ich folgte ihm durch die verwinkelten Gassen bis vor die Mauern aus blauem Marmor. In den Gärten legte ich dann die Prüfung ab, wurde zum Adepten und schließlich zum Meister. Seit diesem Tag habe ich nur noch selten die Möglichkeit meinen Bruder zu besuchen.

N.W.: Trotzdem lassen sie es sich nicht nehmen, ab und an als Gladiator aufzutreten. Konnten sie das ohne Probleme durchsetzen? Ich meine viele Menschen sind der Meinung, dass eine Frau eher dazu da ist, verheiratet zu werden, zu sticken und zu kochen.

A. G.: Vielleicht ist das ihre Meinung. Doch sowohl das Volk der Elfen als auch die Akademie der Magier macht keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Wir lernen zu kämpfen und uns selbst zu versorgen.

N.W.: Nicht zu vergessen, dass die Selbstversorgung mit Magie deutlich einfacher wird.

A. G.: Haben sie schon einmal Meerwasser getrunken? Nahrung, die durch Magie erzeugt wird hat keinen Gehalt für den Körper. Im Gegenteil, sie werden es im ersten Zug genießen, weil es schmeckt wie ein richtiges Mahl, doch eine Stunde später werden sie es erbrechen. Glauben sie mir, sie tun sich keinen Gefallen, wenn sie Magie zum Kochen benutzen.

N.W.: Nun ich kann mich auch nur auf Gerüchte der Straße stützen, schließlich sind die Tore der blauen Zitadelle für uns normal Sterbliche verschlossen. Außer man ist sehr talentiert und wird angenommen.

A. G.: Sie spielen auf die Schmiedstochter an?

N.W.: Für die Adelsfamilien war es eine ziemliche Überraschung und auch ein ziemlicher Schock, dass es der Tochter eines Schmieds gewährt wurde die Prüfung zu vollziehen. Ich meine sie stammten immerhin aus einer Königsfamilie. Zwar verbannt, aber doch von blauem Blut. Wie lange ist es her? 10 Jahre?

A. G.: 10 Jahre, ja. Ich wurde selbst Zeug der unglaublichen Fähigkeiten des Mädchens. Ob es dem Adel passt oder nicht, die Götter hatten Salya Callahan mit einem überwältigenden magischen Talent ausgestattet. Natürlich gab es Vertreter in den hohen Rängen, die protestieren. Doch letztendlich beugten sich alle der Entscheidung des Rates. Was spielt es denn für eine Rolle ob sie die Tochter eines Schmieds oder eines Beamten ist, wenn sie mit 9 bereits in der Lage war, Feuer zu kontrollieren.

N.W.: Nun, viele fürchten um die Exklusivität der Akademie, wenn es plötzlich jedem erlaubt wäre, Magie zu studieren. Calyndis Ashburn! Ich danke ihnen, dass sie sich Zeit für unsere Leser genommen haben.

A. G.: Ich danke ihnen.

Die Meisterin der magischen Kampfkunst wirkte gelassen und freundlich auf uns. Ihre hohe Figur mit der samten grauen Haut und dem silbernen Haare bezauberte unseren eigenen Buchstabenmagier Ned Westermann. Nächstes Wochenthema: Warum man keine Trolle jagt und sein Feld gegen Gnome umzäunt. Als Beitrag u.a. ein Gespräch mit dem geschätzten Jäger Herners Emingwar.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Why i love crows

Nach längerer Pause wieder mal was posten. Wir starten langsam mit einer Szene, die ich neulich im Bochumer Stadtpark beobachten konnte: Eine Krähe, die auf kreative Weise eine Walnuss knackt ;)







@LeO